Millionen Unikate: Was die Secondhand-Suche so anspruchsvoll macht

Secondhand-Ware ist auf viele Plattformen verteilt, wird überall anders beschrieben und ändert sich ständig. Damit passt sie nicht zu vielem, worauf der klassische Onlinehandel aufbaut. Damit Secondhand-Shopping wirklich bequem wird, reicht es nicht, Anzeigen zu bündeln. Millionen einzelner Produkte müssen so gut verstanden und geordnet werden, dass Leute auch finden, was sie suchen.
Onlinecheckout mit Karte

Inhaltsverzeichnis

Secondhand hat ein ungewöhnliches Problem: Oft gibt es genug Angebot, aber das richtige Teil zu finden, ist trotzdem unnötig schwer. Gebrauchte Ware ist auf viele Plattformen verteilt, wird ganz unterschiedlich beschrieben und ändert sich ständig, weil Einzelstücke laufend eingestellt und verkauft werden. Ein Mensch blickt durch dieses Chaos oft durch. Ein Computer tut sich damit viel schwerer.

Für einen Computer sieht dasselbe Produkt ganz anders aus

Nehmen wir drei Leute, die dasselbe Paar Sneaker verkaufen.

Eine Person gibt den genauen Modellnamen an. Die zweite nennt sie „weiße Nike Sneaker“. Die dritte lädt ein paar Fotos hoch, schreibt kaum etwas dazu und nennt sie einfach „Schuhe“.

Ein Mensch sieht sofort, dass es um ähnliche oder sogar identische Produkte geht. Ein klassischer Onlineshop erkennt diesen Zusammenhang nicht unbedingt.

Das ist ein grundlegender Unterschied zwischen Secondhand und klassischem Handel. Im normalen Katalog weiß der Shop schon, was ein Produkt ist, bevor es online geht. Bei Secondhand muss das System oft erst herausfinden, worum es sich überhaupt handelt.

Marke, Modell, Farbe, Material, Kategorie oder Zustand stehen vielleicht irgendwo im Freitext, sind nur auf dem Foto zu sehen oder fehlen ganz. Und dasselbe Produkt wird auf verschiedenen Plattformen oder von verschiedenen Verkäufer*innen ganz unterschiedlich beschrieben.

Das Problem fängt also schon vor der Suche an. Bevor ein System das richtige Produkt anzeigen kann, muss es Produkte verstehen, die nie einheitlich erfasst wurden.

 

Anzeigen zu bündeln, reicht nicht

Die naheliegende Lösung für verstreutes Angebot ist, es zu bündeln: Produkte von mehreren Plattformen an einem Ort zusammenbringen, damit niemand mehr jede einzeln durchsuchen muss.

Das löst einen Teil des Problems. Es kann aber auch einfach einen noch größeren Berg unordentlicher Daten erzeugen.

Wenn zehn Plattformen ihre Produkte unterschiedlich beschreiben, entsteht durch das Zusammenlegen nicht automatisch ein einheitlicher Katalog. Erst muss klar sein, was die einzelnen Anzeigen eigentlich bedeuten. Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Bündeln:

sammeln → vereinheitlichen → ergänzen → abgleichen → sortieren

Beschreibungen müssen vereinheitlicht werden. Fehlende Angaben müssen, wo es geht, erschlossen werden. Fotos müssen Produktinfos liefern. Ähnliche Produkte müssen erkannt werden, auch wenn ihre Titel fast nichts gemeinsam haben. Und all das passiert, während sich das Angebot ständig weiter verändert.

Deshalb ist die Suche im Secondhand-Bereich für uns weniger eine Suchfrage als eine Frage des Produktverständnisses.

 

So sieht das bei faircado aus

Bei faircado bringen wir mehr als 150 Millionen Secondhand-Artikel von über 60 Partnern zusammen.

Als Secondhand-Suchmaschine wissen wir, wie wertvoll ein großes Angebot ist. Wir wissen aber auch: Mehr Angebot hilft nur, wenn man sich darin zurechtfindet und wir das richtige Teil zur richtigen Zeit zeigen.

Bildabgleich, persönliche Empfehlungen und eine Ähnlichkeitssuche für ausverkaufte Teile sind nur einige unserer Lösungen. Die Oberfläche kann sich ändern. Sie funktioniert aber nur, wenn die Produkte dahinter erst einmal verständlich gemacht wurden.

 

Die Verfügbarkeit macht es noch schwerer

Dazu kommt das Angebot selbst.

Hinter einer Produktseite im klassischen Shop stehen oft Hunderte Stück. Hinter einer Secondhand-Anzeige steht meistens genau ein Teil. Ist es verkauft, ist die Anzeige weg.

Die Suche läuft also auf einem Angebot, das sich ständig ändert. Es reicht nicht, einmal einen festen Katalog zu erfassen und gut zu sortieren. Das System muss laufend neue Teile verstehen, verkaufte entfernen und Alternativen finden, wenn der beste Treffer weg ist.

Einzelstücke, lückenhafte Daten und ständig wechselnde Verfügbarkeit: Diese Kombination macht Secondhand deutlich schwieriger, als einfach eine weitere Produktkategorie in einen bestehenden Shop einzubauen.

 

Secondhand ist nicht einfach eine weitere Kategorie

Genau das unterschätzen Händler*innen leicht, wenn sie ins Secondhand-Geschäft einsteigen.

Gebrauchte Ware hinzuzufügen, ist nicht dasselbe wie Beauty, Elektronik oder eine andere neue Kategorie in den Shop aufzunehmen. Diese Kategorien kommen meist ins System, wenn jemand den Katalog schon angelegt hat.

Bei Secondhand muss das System dieses Verständnis selbst herstellen. Und je mehr Händler*innen eigene Secondhand-Angebote aufbauen, desto wichtiger wird dieser Unterschied. Es geht nicht nur darum, gebrauchte Ware in die bestehende Technik zu bekommen. Es geht darum, Technik zu bauen, die mit Produkten klarkommt, die nie dafür gemacht waren, sauber hineinzupassen.

Genau deshalb ist die Suche bei Secondhand so schwierig, und genau deshalb ist es so spannend, sie zu lösen.


Über die Autorin

Evoléna de Wilde d’Estmael ist Mitgründerin und CEO von faircado. Die Plattform bringt Millionen Secondhand-Anzeigen von europäischen Marktplätzen an einem Ort zusammen. Evoléna schreibt über Secondhand, das Kaufverhalten der Gen Z und die Zukunft des Onlinehandels. Dieser Text baut auf Gedanken auf, die Evi regelmäßig auf LinkedIn teilt: Damit Secondhand zur ersten Wahl wird, reicht es nicht, Angebot zu bündeln. Es braucht Technik, die verstreute Secondhand-Ware vereinheitlicht, ergänzt und versteht.

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